Johann Christian Bach (1735-1782) war der Lieblingssohn des gro?en Thomaskantors und erst 15 Jahre alt, als Johann Sebastian (1685-1750) starb. Letzterer war auch der erste Lehrmeister Christians gewesen, hatte diesem das Spiel des Clavichords, Cembalos und der Orgel gelehrt. Spater sollte Johann Christian auch noch das brandneue, seltene und teuere Pianoforte kennen und schatzen lernen. Seine ersten kompositorischen Gehversuche
machte Johann Christian mit Musik fur das Cembalo: Ins "Clavierbuchlein fur Anna Magdalena Bach" (geb. Wilcken, 1701-1782, seine Mutter) schrieb er Menuette und Polonaisen.
Nach dem Tod des Vaters geht Christian zu seinem Bruder Carl Philipp Emanuel nach Berlin in die Ausbildung. Kurze Zeit spater schreibt er bereits funf Cembalokonzerte. Dann geht's ab nach Mailand, wo er vom Protestantismus zum katholischen Glauben ubertritt und Domorganist wird. Zunachst vertieft sich "Giovanni Bacchi" in die Kirchenmusik, widmet sich aber bereits nach kurzer Zeit der Oper, die komplett von ihm Besitz ergreift. Johann Christian Bach hangt den Orgeljob an den Nagel und reist durch Italien, wo er die neuen Opera seria komponiert: "Catone in Utica" oder "Alessandro nell'lndie". Der gefallsuchtige Bachsohn sonnt sich im vordergrundigen Glanze seiner Popularitat.
Nach zehn Jahren Italien ruft jedoch Albion und Bach schmeisst wiederum alles hin. Er fahrt gen Engelland und dort sollte Johann Christian Bach dann nochmals zwanzig Jahre leben. In London ist Bach schnell in die Gesellschaft integriert, seine Freunde sind Thomas Gainsborough und Carl Friedrich Abel. Und er hat die Gunst des Konigs Georg III. und seiner jungen Gattin, der Konigin Charlotte, welche aus Deutschland stammte. Johann Christian wird Hofkomponist und Lehrer der Konigin.
Der "Mailander Bach" und "Londoner Bach", wie Johann Christian auch genannt wird, stirbt dann aber in armlichen Umstanden. Am Ende seines Lebens ist er lange krank und wird gnadenlos aus seinen Positionen verdrangt, sein Diener betrugt und bestiehlt ihn um eine sehr gro?e Summe, der Komponist ist faktisch ruiniert.

Nach seinem Tod begleicht jedoch Konigin Charlotte die Schulden und zahlt Bachs Witwe Cecilia Grassi, einer ehemaligen Primadonna, eine Rente auf Lebenszeit. Sechs Sonaten fur Cembalo, namlich die Sonata B-Dur op.5 Nr.1, G-Dur op.5 Nr.3 und Es-Dur op.5 Nr.4, sowie die Sonata c-moll op.17 Nr.2, G-Dur op.17 Nr.4 und A-Dur op.17 Nr.5 spielt die russische Cembalistin Olga Martynova fur Caro Mitis ein. Olga Martynova ist eine der bekanntesten Cembalistinnen Russlands. Nach ihrer Ausbildung in modernem Klavier und im Cembalospiel am Moskauer Konservatorium, geriet sie in den Bann der Alten Musik und Historischen Auffuhrungspraxis, nachdem sie ein Konzert von Hopkinson Smith horte. Sie besuchte Meisterkurse bei ihm und studierte an der Ecole Nationale de Musique de Bobigny. Es folgten die ersten Platze bei internationalen Cembalo-Wettbewerben (Wassenaer, Premio Bonporti). Und heute lehrt sie selbst am Moskauer Konservatorium und in der Gnesin Special Musical School bzw. ist Mitglied der Orchester Pratum Integrum, Moscow Baroque und A la Russe.
Den etwas selbst verliebten Kompositionen des Londoner Bachs kann sie unglaubliche Finessen entlocken. Unwillkurlich kommt der Gedanke auf, was ware, wenn die kompositorische Vorlage ein noch hoheres Niveau hatte. Ich stelle fest und erklare: Olga Martynova spielt in solch absolut entwaffnender Weise, wie ich hochst selten eine(n) Cembalistin/en habe spielen horen. Das ist allerfeinste Fertigkeit und hochste Kunst!

Johann Sebastian Bach's favorite and youngest son Johann Christian is also known as the "Milan" or "London Bach". After his father's death he moved to Berlin where he lived together with his brother Carl Philipp Emanuel. Then he went to Milano where he became the organist of the famous cathedral after he changed from protestantic to catholic church. Soon after that he got in contact with the Italian opera: Johann Christian left job and city of Milano and toured through Italy the next ten years as an opera seria composer. Then he went to London where he lived the next 20 years and died as a poor man (his servant cheated him). The Russian Harpsichordist Olga Martynowa, best known for her interpretations in Russia, plays now six sonatas in a high leveled way as l hear not so often. This is great music from a great musician!

Robert Strobl

Back to press


©2003-2013 Essential Music